Montag, 17. September 2012

Nähfragezeichen


 
Endlich schaffe ich es mal wieder, auf Meikes Nähfragezeichen zu antworten!
Nach einem Vorschlag von Frau Linkshänderin gibt es dieses Mal diese tolle Frage:
 
 
Trauma oder VorbildWurdest du als Kind von Mama, Oma, Tante oder vielleicht sogar Papa benäht/bestrickt/becraftelt? Hat diese Person auch für sich selbst genäht? Wie fandest du das damals? Und wie findest du es aus heutiger Sicht. Hat es dich geprägt?


Meine Mutter hat für meine Schwester und mich genäht und gestrickt. Damals gab es hier noch eine riesige Stoffabteilung in einem Kaufhaus, die hat mich damals schon fasziniert und angezogen.
Ich durfte die dicken Burda-Schnittmusterbücher durchblättern, mir einen Schnitt aussuchen und dann den Stoff, das fand ich wunderbar. Und dann entstanden meine Traummodelle, Röcke, Kleider, Hosen, Blusen, einmal ein toller Poncho mit passendem Rock, sensationelle Faschingskostüme.....
Ich war immer sehr stolz auf die Sachen und habe sie gerne getragen.
Neben den Schnittmusterbüchern gab es irgendwann die "Carina", eine Art "kleine Schwester" von Burda, ich glaube, ich hatte sie fast alle und auch daraus hat meine Mutter für mich genäht.
Besonders viel getragen habe ich diesen Rock: Ich habe ihn noch Mal fütr Euch angezogen (damals saß er etwas lockerer und ich konnte auch einatmen.....)........

 
........aus dieser Carina (1977, kostete 2 DM)......
 
 
......diese Modell....
Getragen habe ich es auch mit dem passenden Dreiecktuch um die Taille, das ist auch noch irgendwo.
 

 
Nur so zum Schmuzeln, aus dem gleiche Heft, eine Regenjacke aus einem Duschvorhang, die hatte ich NICHT!
 
 
Diese Rock ist eines der vielen Rettungsobjekte meiner Mutter, Einladung zur Silvesterparty, ich war so ca. 18 Jahre alt und dachte (vermutlich so 29.12.), ach da wäre doch ein Satinrock toll. Also damit begonnen, ich glaube bei der Rüsche am glitschigen Stoff verzweifelt, Mama hat ihn fertig genäht und ich habe gefeiert (mit passenderen Schuhen....)

 
Gerettet hat meine Mutter vor allem sämtliche Handarbeitsunterrichtstücke, egal, ob gestickt, gehäkelt, gestrickt oder genäht. Ohne sie wäre kein Einziges fertig geworden. Ich erinnere mich noch sehr genau an den Unterricht in der 6. Klasse, die Leherin hieß "von Witzleben", sie war aber nicht so witzig, und wollte, dass ich Hüttenschuhe stricken sollte. Ich konnte noch nicht mal mit 2 Nadeln vernünftig stricken und jetzt FÜNF! Die Hüttenschuhe sind sehr schön geworden, grün-gelb geringelt, ich glaube, alles was ich im Unterricht gestrickt habe, hat meine Mutter zu Hause korrigiert (aufgetrennt)........Ich glaube, damit hat meine Mutter es geschafft, dass ich Handarbeiten nicht gehasst habe.
Bestrickt hat sie mich/uns auch, ich erinnere mich z.B. an einen ganz bunt getreiften Rollkragenpulli, auch da durfte ich mir die Wolle aussuchen.
Ich habe meine Mutter auch nie ungeduldig oder schlecht gelaunt im Zusammenhang mit Handarbeiten erlebt, hatte immer den Eindruck, dass es ihr Spass gemacht hat.
 
In der Oberstufe habe ich dann begonnen zu stricken, etwas später auch zu naähen und hatte in meiner Mutter einen geduldige Lehrmeisterin.
 
Heute nähe ich ab und zu etwas für sie, früher habe ich ihr auch mal Socken gestrickt.
So schließt sich ein Kreis und das finde ich total schön.
Ich denke schon, dass ich dieses Tolle Hobby meiner Mutter zu verdanken habe.
 
Danke Mama!!!
 
Andere Nähgeschichten gibt es hier!
 
 
 
 
 
 
 
 
 

Kommentare:

  1. Deine Geschichte erinnert mich sehr an meine eigene Sozialisierung was Nähen und Handarbeiten angeht. Auch die Rettung der Stücke aus dem Handarbeitsunterricht :).
    Die Carinas aus den 70er/80er Jahren habe ich übrigens fast alle noch...

    LG
    Susanne

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  2. ach, wie schön ! meine mutter ist so ziemlich genau das gegenteil....und für meine carina sammlung würde ich heute noch was geben. nach irgendeinem umzug in den späten neunzigern war der karton wech und ich trauere heute noch.

    lieben gruß,
    susa

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  3. Das ist eine schöne Geschichte. Meine Nähgeschichte habe ich auch schon mal gepostet. Wir sollten sie mal sammeln. Wichtig dabei ist aber noch das Alter; ich denke jede Generation ist anders damit umgegangen. Bemerkenswert an deiner Erfahrung finde ich, dass deine Mutter dir die Handarbeit in der Schule immer bemacht hat und du trotzdem eine "Handarbeiterin" geworden bist. In vielen Geschichten taucht das genau andersherum auf. (Meine Mutter hat das immer für mich gemacht, ich musste das nicht lernen). Der Schlüssel scheint zu sein, so versstehe ich dich, dass deine Mutter dir den Spass vorgelebt hat und geduldig mit deinen Versuchen war!?
    Freundlicher Gruß
    Mema

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  4. So wunderschön erzählt, ich bin sehr berührt.
    LG, Claudia

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  5. Also, auf mich hat das mit dem Nähen ja leider nicht so abgefärbt und ich kann mich gar nicht erinnern, was unsere Mutsch für mich genäht hat... nur an die Faschingskostüme erinnere ich mich! Kosakenhose in blau glänzend, darauf war ich sehr stolz!
    Und da mir ja leider die Näh-Gene versagt geblieben sind, muss leider meine Schwester auch ganz stark für mich nähen, hahaha....
    Die Möne

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  6. sehr schöner eintrag!! auch auf mich hat's ja leider nicht so abgefärbt, ausser dem "flicken auf jeans nähen". aber vielleicht wird's ja was mit einem der enkelkinder!
    die roli

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  7. Liebe Sabine,
    Dein Bericht über meine Näh- und Strickkünste hat mich sehr gerührt und auch glücklich gemacht, denn ich war rückblickend manchmal recht unsicher, ob meine selbstgeschneiderten Kleidungsstücke nicht eine Zumutung für Euch waren! Es freut mich ungemein, dass ich Dich vielleicht tatsächlich zum Handarbeiten ermnuntert habe! Du bist heute so viel besser als ich es jemals war! Ich trage die Sachen, die Du mir genäht hast mit großem Stolz
    und werde oft gefragt, ob meine Tochter vielleicht Aufträge annimmt.
    Mach weiter so.
    Deine Mama

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  8. oh wie hab ich diese Hefte geliebt und hardcore abgearbeitet, leider aus Platzgründen entsorgen müssen
    lg
    monika

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